www.news.admin.ch

Diese Ausgabe ist für Browser ohne zureichende CSS-Unterstützung gedacht und richtet sich vor allem an Sehbehinderte. Alle Inhalte sind auch mit älteren Browsern voll nutzbar. Für eine grafisch ansprechendere Ansicht verwenden Sie aber bitte einen moder

Beginn Sprachwahl



Beginn Hauptnavigation

Ende Hauptnavigation


Beginn Inhaltsbereich

Beginn Navigator

Ende Navigator



Leidenschaftlich neugierig bleiben

Zürich, 30.04.2011 - Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann | «Schweizer Jugend Forscht» | Preisverleihung, ETH Zürich

Spüren Sie die Neugier in diesem Raum?

Damit meine ich nicht, dass der eine oder andere gespannt sein mag auf den Inhalt meiner Rede. Ich meine damit Ihren Drang, Neues zu entdecken. Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, liebe Gäste, ich bin sehr beeindruckt von den Arbeiten der Wettbewerbsteilnehmer. Der Rundgang durch die Projektarbeiten hat mir auch gezeigt, wie vielseitig die Fähigkeiten der Jugendlichen in der Forschung sind.

Noch wissen wir nicht, wer von Ihnen heute welche Auszeichnung erhält. Die jährliche Preisverleihung von «Schweizer Jugend forscht» interessiert mich aber nicht erst seit heute. Seit fünf Jahren verfolge ich genau, wer die Gewinnerinnen und Gewinner sind. Das geht zurück auf das Jahr 2006, als ich noch Chef der Ammann-Group war. Wie sehr habe ich mich damals gefreut, als unser Informatiklehrling Marco Bigolin und sein Freund Dominik Kathriner am Wettbewerb von «Schweizer Jugend forscht» für ihre Arbeit das Prädikat «Herausragend» erhalten haben.

Weil die beiden Lehrlinge zudem noch den Sonderpreis gewannen, bekamen sie die Chance, ihr Projekt an einem Wettbewerb in Stockholm zu präsentieren.

Die beiden hatten den Verdichtungsroboter Huddle entwickelt. Dieser fährt auch in unsicherem Gelände ohne Fahrer eine vorbestimmte Umgebung ab, verdichtet den Boden und überwacht sich selbst. Registriert die Maschineeine Gefahr, handelt sie sofort. Nähert sich beispielsweise ein Mensch oder ein Tier, warnt die Walze mit Hupen. Bei akuter Gefahr stoppt sie automatisch. Huddle hilft so, Unfälle zu verhindern und Kosten zu sparen.

Meine Damen und Herren, Bildung, Forschung und Innovation sind für ein Land, das über keine natürlichen Rohstoffe verfügt, ganz besonders wichtig. Zu diesen Ländern gehört auch die Schweiz. Forschung und Innovation sind das Kapital unserer Wirtschaft, und damit unserer Wohlfahrt. In einer immer globaleren Welt können Schweizer Firmen nur dann überleben, wenn sie mit innovativen Produkten immer wieder den Markt überzeugen. Doch Innovationen fallen nicht vom Himmel. Sie müssen „erkämpft" werden. Drei Voraussetzungen sind entscheidend:

  1. Neugier, Offenheit und Ausdauer

    Es braucht Menschen, die es verstehen, Altbewährtes zu hinterfragen und daraus Neues zu entwickeln. Je älter man wird, desto mehr riskiert man, diese Eigenschaft zu verlieren. Kleinkinder strotzen vor Entdecker-freude. Jugendliche auch.Und „Jung-Gebliebene" genau so. Je länger man im Berufsleben steht, desto mehr läuft man aber Gefahr, die Neugier zu verlieren und zum Spezialisten zu mutieren. Zu viele ältere Menschen wollen sich gar nicht mehr auf Neues einlassen. Ich möchte Sie ermuntern: Pflegen Sie Ihre Neugier und Offenheit, das ist Ihr Kapital! Damit eine Idee zur Innovation wird, braucht es aber auch Durchhaltewillen. Vielleicht lief Ihr Projekt rund, Sie kamen zügig voran. Vielleicht gab es aber auch Phasen, wo Sie einfach den Bettel hinwerfen wollten. Solche Durststrecken gehören dazu. Nur wenige können immer auf einer Erfolgswelle reiten. In fast jedem Projekt gilt es mindestens einmal eine Durststrecke zu überwinden. Zeigen Sie in solche Phasen Durchhaltewillen und Ausdauer!

    Ausdauer und Durchhaltewillen braucht es auch, wenn ein Prototyp zur Marktreife gebracht werden soll. Das ist oft ein langer und steiniger Weg. Ausdauer haben heisst für einen Forschenden auch, Rückschläge einstecken zu können. Immer gilt es, das Positive darin zu sehen. Es kommt nicht immer alles so, wie man sich das wünscht. Dazu möchte ich Ihnen gerne erzählen, wie es mit Huddle weiter ging. Die vollautomatische Walze schaffte es bis heute nicht zur serienmässigen Produktion. Sie ist der Zeit immer noch voraus. Doch einzelne Elemente der Entwicklung sind in der Industrie zum Standard geworden. Schon das allein ist doch ein grosser Erfolg für die jungen Erfinder und die betroffene Unternehmung.
  2. Die Innovationskultur

    Sie können nur innovativ sein, wenn auch die Umgebung stimmt.Was heisst das? Ein innovatives Unternehmen schafft den Mitarbeitenden Freiräume, die ihnen ermöglichen, Ideen zu suchen und Visionen zu entwickeln. Ideen müssen gesammelt und beurteilt werden. Zentral ist, dass deren Chancen am Markt rechtzeitig abgeklärt werden. Denn: Die beste Idee nützt nichts, wenn sich dafür kein Käufer finden lässt. Und Innovation ist definiert als am Markt abgesetzte Neuerung. Käufer suchen ist immer auch eine Gratwanderung. Wer zu spät an die Kosten denkt, bleibt auf seiner Idee sitzen. Wer zu früh an die Kosten denkt, tötet die Kreativität.

    Innovative Unternehmen sind bereit, Risiken einzugehen. Ohne Risikobereitschaft gibt es keine Innovationen. Risiken eingehen bedeutet Chancen eröffnen. Eine entsprechende Kultur, wie mit Fehlern umgegangen wird, ist entscheidend für den Erfolg von Innovationen. Meine Damen und Herren, Sie dürfen Fehler machen. Nur, Sie dürfen denselben Fehler nicht zweimal machen. Zieht man dagegen aus einem Fehler die Lehren, kommt man weiter. Eine Firma, die eine gute Innovationskultur lebt, ist zum Beispiel Google. So hat beispielsweise jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, 20 Prozent seiner Arbeitszeit zu nutzen, um persönliche Ideen zu realisieren. Braucht er Unterstützung für sein Projekt, muss er Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen, innerhalb ihrer 20-Prozent-Regel für ihn zu arbeiten.

  3. Die Rahmenbedingungen

    Für mich ist klar: Dass unser Land für die globalisierte Welt fit ist, verdanken wir unserem ausgezeichneten Bildungssystem. Nur eine Schweiz, die aktiv in die junge Generation investiert und dieser die Forschungsfreiheit garantiert, wird im internationalen Wettbewerb die Nase vorn haben. Dazu leisten staatliche und private Organisationen wie «Schweizer Jugend forscht» ihren Beitrag. Sie tragen dazu bei, dass das Bildungs-, Forschungs- und Innova-tionssystem auf hohem Niveau bleibt. Zu meinen Aufgaben als Volkswirt-schaftsminister gehört es, mich für das duale Bildungssystem einzusetzen. Das liegt mir sehr am Herzen. Die Berufsbildung integriert den Nachwuchs früh in die Arbeitswelt. Ihre Absolventen verfügen seit jeher nicht nur über Wissen, sondern über Können. Denn: Was nützt Forschung, wenn niemand da ist, der die Erkenntnisse in den Unternehmen wertschöpfend umsetzen kann?

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, Fol-gendes möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben: Sie zählen zu den Menschen, die unser Land vorwärts bringen.

Wir brauchen Leute wie Sie. Nutzen Sie Ihre Fähigkeiten und gestalten Sie die Zukunft der Schweiz mit. In der Forschung, in der Wirtschaft, vielleicht auch in der Politik. Denn auch hier ist immer wieder Innovation gefragt. Heute ist das Scheinwerferlicht ein erstes Mal auf Sie gerichtet.

Herzlichen Glückwunsch - und, weiter so: Bleiben Sie leidenschaftlich neugierig!


E
s gilt das gesprochene Wort !

Herausgeber:

Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Internet: http://www.wbf.admin.ch
Volltextsuche



Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft
info@bk.admin.ch | Rechtliche Grundlagen
http://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de