Schutzgalerien: Expertenbericht bestätigt geringes Risiko und empfiehlt Vorsorgemassnahmen
Bern, 20.10.2003 - Die Untersuchungen in den Kantonen haben keine neuen Risiken zu Tage gebracht. Doch kann das Management der Naturgefahren, bei denen technische, wissenschaftliche, und organisatorische Aspekte im Spiel sind, optimiert werden. Die Expertengruppe unter der Leitung des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) war in der Folge des Unfalls von Chüebalm Anfang Januar 2003 zur Beurteilung des Risikomanagements gebildet worden. Sie hat eine Bestandesaufnahme der Ereignisse auf dem Nationalstrassennetz der letzten 40 Jahre durchgeführt und den heutigen Stand des Wissens und die heutige Praxis analysiert. Die Expertise bezieht sich auf Steinschlag-Schutzgalerien und Tunneleingänge in insgesamt 8 Bergkantonen. Die Untersuchung betrifft weiterhin nicht nur Steinschlag-, sondern auch andere Naturgefahren und –risiken auf diesen Streckenabschnitten.
Seit über 40 Jahren wurden auf den Nationalstrassen nur 39 Unfälle an Galerien oder Tunneleingängen registriert, die Sachchäden zur Folge hatten. Dabei gab es weder Verletzte noch Tote.
Eine genaue und fachübergreifende Analyse
Die Expertengruppe, in der Bauingenieure, Geologen und Forstingenieure vertreten sind, hat die Studie unter einem fachübergreifenden Gesichtspunkt erarbeitet und ist zum Schluss gekommen, dass der Steinschlag eine reale Gefahr darstellt, aber für die Nationalstrassen nicht vorherschend ist. Auf die geprüften 14 Galerienkilometer und 400 gesicherten Stellen hat die Untersuchung in den Kantonen keinen kritischen Fall und keine schwerwiegenden Unzulänglichkeiten zu Tage gefördert, die Sofortmassnahmen bedingen würden. Die umfassende Untersuchung vergleicht die Steinschlaggefahr mit anderen Naturgefahren, wie Lawinen, Hochwasser oder Stürme und erlaubt den Schluss, dass Steinschlag ein reales, aber geringeres Risiko darstellt.
Welche Lehren?
Der Bericht empfiehlt aufgrund der Situationsanalyse dennoch eine Reihe von vorbeugenden und organisatorischen Massnahmen zur Optimierung der Überwachung und des Unterhalts der Schutzbauwerke.
Erstens ist ein Ereignisregister für das gesamte Nationalsstrassennetz zu führen und aufrechtzuerhalten. Ein solches Inventar dient der Erarbeitung von Gefahrenkarten für die Nationastrassen in allen Kantonen.
Zweitens ist eine einheitliche Risikobewertungsmethode zu entwickeln, und Schutzziele sind für die verschiedenen Gefahren zu definieren. Damit können koordinierte Sicherheitsniveaus erreicht werden.
Drittens sind alle Galerien und Tunnelportale mit Schutzfunktion systematisch zu überprüfen. Diese Überprüfung ergänzt die bereits bestehende Dauerüberwachung.
Mit dieser interaktiven Sicht und Arbeitsteilung können die Prävention, die Überwachung und die Gefahrenerkennung für alle Schutzbauten und deren Umgebung optimiert werden.
Herausgeber:
- Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
- Internet: http://www.uvek.admin.ch/index.html?lang=de