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«Biodiversität» ist im Alltag angekommen

Bern, 17.11.2009 - Wenige Wochen vor Beginn des Internationalen Jahrs der Biodiversität 2010 stellt eine Umfrage des Forschungsinstitut gfs.bern fest: Bereits rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung kennt den Begriff «Biodiversität». Das ist deutlich mehr als noch vor vier Jahren. Auch wenn die Betroffenheit eher gering ist, wird die Bereitschaft, für den Erhalt der Biodiversität aktiv zu werden, von einer Mehrheit geteilt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen, dass der weltweite Verlust von Lebensräumen, Arten und genetischer Vielfalt innerhalb der Arten weitreichende ökonomische und ökologische Konsequenzen haben kann. Auch in der Schweiz gehen Fläche und Qualität wertvoller Lebensräume zurück und die Bestände bereits seltener Arten sinken weiter.

In der breiten Bevölkerung war die Biodiversität dagegen bis vor kurzem kein grosses Thema und wurde kaum ausserhalb der Expertenkreise diskutiert. Eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts gfs.bern zeigt nun aber, dass im Herbst 2009 bereits jede zweite Person in der Schweiz den Begriff «Biodiversität» wahrgenommen hat. Vier Jahre früher erzielte das Thema dagegen noch nicht einmal bei der Gruppe der speziell Umweltsensibilisierten (rund einem Viertel der Bevölkerung) eine gleich hohe Bekanntheit.

Handlungsbereitschaft vorhanden

Die Studie «Biodiversität 2009», welche vom Bundesamt für Umwelt BAFU in Auftrag gegeben worden war, zeigt jedoch auch: Der Zustand der Biodiversität in der Schweiz wird - im Gegensatz zur Beurteilung durch die Wissenschaft - von knapp 70% der Bevölkerung als gut oder eher gut eingeschätzt, und nur rund 40 Prozent der Befragten glauben, dass sie von einer Verarmung der Biodiversität persönlich betroffen sind. Trotzdem unterstützt eine Mehrheit Massnahmen für den Erhalt der Biodiversität. Handlungsbereitschaft zeigt sich am stärksten in der unmittelbaren Lebensumgebung. Gefordert sind in den Augen der Bevölkerung zudem Bildung, Wissenschaft und Politik. Zusammenfassend lässt sich sagen: Biodiversität ist im Alltag angekommen (s. Kasten). Für das BAFU sind diese Erkenntnisse interessant, da sie zu einem Zeitpunkt kommen, in dem die Schweiz daran ist, eine nationale Biodiversitätsstrategie zu erarbeiten.

Eine ähnlich ausgerichtete Analyse aus dem Jahr 2005 war von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, SVS/BirdLife Schweiz sowie dem Forum Biodiversität in Auftrag gegeben worden. Diese Organisationen beteiligten sich auch an der aktuellen Studie 2009.

 

KASTEN 1:
Rückstand gegenüber Nachbarländern

Der Vergleich mit Umfragedaten aus 27 EU-Ländern (Attitudes of Europeans towards the issue of biodiversity) zeigt, dass die Bevölkerung der Schweiz sowohl bezüglich Bekanntheit des Begriffs als auch in Hinblick auf das Problembewusstsein, deutlich hinter den Nachbarländern herhinkt: in Deutschland, Österreich und Frankreich hatten 2007 bereits mehr als drei Viertel der Befragten den Begriff «Biodiversität» wahrgenommen, in Italien waren es zwei Drittel. Dieser Rückstand lässt sich im Wesentlichen durch den Umstand erklären, dass die politische Diskussion um die vom Parlament Ende 2008 in den Legislaturzielen verankerte Biodiversitätsstrategie in der Schweiz erst angelaufen ist, während dieser Prozess in der EU bereits rund zehn Jahre früher begonnen hat.

 

KASTEN 2:
Biodiversität im Alltag

Die Bevölkerung kennt nicht nur den Begriff Biodiversität, sondern sie ist auch bereit, etwas für deren Erhaltung zu tun. Allerdings sind noch längst nicht alle Zusammenhänge bekannt. Dank der biologischen Vielfalt liefern und erbringen die Ökosysteme Güter und Dienste, die für das Überleben und die Weiterentwicklung der Menschheit unerlässlich sind. Biodiversität durchdringt unseren Alltag. Zum Beispiel indem

  • aus dem Grundwasser natürlicher Ökosysteme Trinkwasser gewonnen wird,
  • dank intakter genetischer Vielfalt hochwertige Nahrungsmittel produziert werden können,
  • neue Medikamente aus teilweise noch unbekannten Pflanzenarten entwickelt werden,
  • die Ökosysteme das Klima und den Wasserhaushalt regulieren,
  • Unkräuter und Schädlinge durch natürliche Feinde kontrolliert werden,
  • die Bodenfruchtbarkeit erhalten bleibt,
  • vielfältige Landschaften zur Erholung einladen.

Adresse für Rückfragen:

Mediendienst BAFU, Tel. 031 322 90 00
Claude Longchamp, Leiter des Instituts gfs.bern, Tel. 031 311 08 06
Werner Müller, SVS/BirdLife Schweiz, Tel. 079 448 80 36
Matthias Kestenholz, Schweizerische Vogelwarte Sempach, Tel. 041 462 97 45
Daniela Pauli, Forum Biodiversität, Tel. 031 312 02 75

Herausgeber:

Bundesamt für Umwelt
Internet: http://www.umwelt-schweiz.ch

Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kontakt | Rechtliches
http://www.news.admin.ch/message/index.html?lang=de