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Vor einigen Wochen war ich an einer Verkehrskonferenz in Neapel, wo ich mich u.a. mit dem ägyptischen Verkehrsminister unterhielt. Vor wenigen Tagen war ich selber in Ägypten (an einer Konferenz über die Zukunft des Internets) und erfuhr dort, dass der ägyptische Verkehrsminister vor wenigen Tagen zurückgetreten war - weil es bei einem Eisenbahnunglück 18 Tote gegeben hatte. Dieser Unfall hat uns alle bewegt und viele von uns sandten Kondolenzschreiben nach Ägypten.
Der Rücktritt des Ministers gab mir zu denken (auch wenn ich die genaueren Umstände nicht kenne). Denn wir wissen alle: Jährlich sterben auf der Strasse in jedem Land hunderte, tausende Menschen. Weltweit sind es jährlich 1.3 Mio. Menschen.
Nach einem Flugzeugabsturz oder Zugsunglück mit Verletzten und Toten herrscht oft Staatstrauer, Präsidenten und Minister begeben sich in Kathedralen und wir halten Schweigeminuten ab, um kollektiv zu trauern.
Die viel zahlreicheren Opfer des Strassenverkehrs nehmen wir hingegen als statistische Grösse wahr. Es scheint, als hätten wir uns damit abgefunden, dass die Strasse eben ihre Opfer fordert. Wir reagieren fast schon mit einer abgestumpften Teilnahmslosigkeit.
Diese unterschiedliche Moral der Betroffenheit müssen wir ändern! Die Frage ist: wie?
Eigentlich wäre die Antwort ganz einfach. Eine einzige Regel würde genügen, und auf unseren Strassen würde nie mehr ein Mensch sterben: der Rechtsvortritt.
Das stimmt - unter einer Bedingung allerdings: es müssten gleichzeitig alle Menschen selbstverantwortlich, rücksichtsvoll und vernünftig Auto fahren.
Es ist dies eine Gemeinsamkeit, die alle Verkehrsminister dieser Welt verbindet, wir alle träumen denselben Traum: dass auf unseren Strassen die totale Vernunft Einzug hält. Aber solche Träume verhindern keine Unfälle und keine Opfer.
Wir brauchen deshalb verbindliche Massnahmen und Gesetze, die für alle gelten: Wir müssen dem masslosen Treiben auf unseren Strassen ein Mass setzen.
II. Massnahmen (welches Mass setzen wir?)
1. Wir erlassen staatliche Regeln:
Wir regeln den Verkehr:
Wir reglementieren die technische Entwicklung und setzen technische Standards. Die Technik macht Fortschritte
2. Das Verhalten der Menschen ändern
Das grösste Risiko ist immer noch der Mensch. Am wichtigsten ist es, dass wir das Fahrverhalten von unvernünftigen Automobilisten ändern.
Aufklärungskampagnen und Massnahmen im Bereich der Verkehrserziehung sind sehr wichtig.
Die PR-Lobby der Autoindustrie setzt Autos aber weiterhin mit Stärke, Geschwindigkeit und Freiheit gleich. Und gegen die enormen Marketingbudgets der Autokonzerne hat der blosse Appell an die Vernunft nur wenig Chancen.
Deshalb braucht es strenge Zwangsmassnahmen: Wir müssen Verkehrsdelikte in aller Härte verfolgen und bestrafen, genau wie Mord und Totschlag. Nur dann ändert sich auch die Moral, d.h. die innere Einstellung zum Autofahren.
Ein Beispiel:. ,Fahren im angetrunkenen Zustand" galt früher als Kavaliersdelikt. Seit wir die Promillegrenze sukzessive bis auf 0.5 herabgesetzt haben und die Gerichte harte und unbedingte Strafen aussprechen, hat sich auch die Moral geändert: Fahren in angetrunkenem Zustand ist heute gesellschaftlich geächtet und heute ist klar: Wer betrunken fährt, handelt genauso kriminell, wie wenn er mit einer geladenen Pistole herumfuchteln würde.
Dasselbe gilt auch für Geschwindigkeitsexzesse und Raser.
Wir müssen zudem im Strassenverkehr den internationalen Austausch weiter ausbauen.
3. Wir können für den Strassenverkehr auch von der Praxis des Luft- und Eisenbahnverkehrs lernenDort wird jeder Vorfall oder Beinahevorfall gemeldet und zentral registriert. Die Ursachen werden analysiert. Massnahmen und Verbesserungen werden als internationaler Standard eingeführt. Die Einhaltung dieser Standards wird von internationalen Gremien scharf kontrolliert.
Als Prinzip ist das auch im Strassenverkehr möglich. Wir können Standards für den Strassenbau definieren. Wir können technische Entwicklungen bei Fahrzeugen obligatorisch erklären. Wir können Aufklärungskampagnen voneinander kopieren. Die Verona Konferenzen der letzten Jahre waren eine eigentliche Börse für derartige Ideen.
Deshalb sind wir heute hier in Moskau an dieser Konferenz: um den gegenseitigen Austausch zu pflegen und die Sicherheit im Strassenverkehr weltweit zu koordinieren.