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Liebe Jodlerinnen und Jodler,
liebe Alphornbläser und Fahnenschwinger
Gerne würde ich Sie mit einem herzlichen Jutz begrüssen. Ich erspare Ihnen das aber, Sie können das viel besser als ich. Meine Fähigkeiten liegen in der Politik und nicht im Singen und Jodeln. Seit ich hier angekommen bin, habe ich aber mit grosser Freude schon einige von Ihnen gehört.
Ihr diesjähriges Westschweizer Jodlerfest markiert auch den 75. Geburtstag der Association Romande des Yodleurs. Mit Interesse habe ich aus Ihrer Chronik erfahren, dass die Gründung – wie das Jodeln – typisch schweizerisch war: Sie hatten nämlich Streit mit den Deutschschweizern.
Der Jodel ist anfangs des letzten Jahrhunderts von Deutschschweizer Männern in die Romandie importiert worden. Sie gründeten lokale Clubs, um den traditionellen Gesang von der anderen Seite des Sensegrabens zu pflegen. Klar, dass man den Austausch pflegen wollte und einige Clubs traten dem Eidgenössischen Jodlerverband bei. Bald schon fanden die welschen Clubs, dass man eine eigene Regionalgruppe haben möchte. Es dauerte einige turbulente Jahre, bis anerkannt war, dass die Romand-Jodlerclubs eine eigene Sektion gründen durften.
Seitdem sind sie vereint in einem gesamtschweizerischen Verband, pflegen dasselbe Kulturgut und sind über die innerschweizerischen Grenzen hinweg eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie haben Ihre gemeinsame Leidenschaft zum verbindenden Element gemacht. Wer jodelt, der schaut nicht ob einer arm oder reich, alt oder jung, Mann oder Frau, Welscher oder Deutschschweizer ist. Wer jodelt, fühlt sich als Teil einer Gemeinschaft.
Haben wir, die wir nicht einem Jodlerclub angehören, diese Verbindung zu den anderen Landesteilen auch noch?
Es gibt Stimmen, die behaupten, Deutschschweizer, Welsche und Tessiner verstünden sich gut, weil sie sich gleichgültig gegenüberstehen. Wenn das wirklich so ist, dann bereitet mir das Sorge: Gleichgültigkeit ist nie ein guter Ratgeber. Wer seiner Gemeinschaft und der Gesellschaft gleichgültig gegenübersteht hat sich bereits von ihr verabschiedet.
Wie aber soll eine Gemeinschaft, wie soll die Schweiz bestehen und sich weiterentwickeln, wenn allen alles «Wurst» ist? Gleichgültigkeit ist der Anfang vom Ende einer Gemeinschaft. Da ist es mir lieber, man hat zwischendurch Streit – denn das zeugt von Lebendigkeit und es zeugt vom Willen mitzubestimmen.
Nach dem Nein zum EWR, 1991, befürchtete man, die Schweiz könne entlang der Sprachgrenze auseinanderbrechen. Der Röstigraben war das grosse Thema und man gab sich Mühe, diesen Graben zuzuschütten. Doch der Elan erlahmte. Obwohl wir alle wissen, dass der Austausch zwischen den Sprachregionen für unser Land existentiell ist, behandeln wir das Thema wie eine heisse Kartoffel: Ja nichts anrühren, dann verbrennt sich auch niemand die Finger.
Das ist die Gleichgültigkeit die ich meine, und die dazu geführt hat, dass sich viele Deutschschweizer und Romands nicht in den Sprachen Goethes oder Voltaires unterhalten, sondern auf englisch.
Sind wir uns bewusst, welch einmalige Möglichkeiten uns dieses Land mit seiner Vielsprachigkeit bietet? Ohne ins Ausland zu müssen, haben wir hier die grosse Chance, gleich vier Sprachen zu lernen. Bis vor etwa 20 Jahren war es üblich, dass Junge nach der Schule oder Lehre, für ein Jahr in eine andere Sprachregion gingen. Diese Tradition des Welschland- oder Deutschschweiz-Jahres ist uns abhanden gekommen. Schade, eigentlich.
Mesdames, messieurs
L’indifférence est dangereuse, et pas seulement quand il s’agit de nos langues nationales. Elle menace aussi la solidarité au sein de notre Etat social. Prenons l’AVS, notre œuvre sociale la plus importante et la plus typique. Pour la Suisse elle est aussi originelle que le Jodel. Elle réunit de la même façon toutes les couches sociales. Chacun cotise à l’AVS selon ses capacités économiques, mais les rentes sont limitées à un plafond. Parvenue à l’âge de l’AVS, une personne aisée ne reçoit pas davantage qu’une personne ayant perçu un salaire normal. C’est un exemple de solidarité vécue.
Malgré les changements survenus dans la structure de la population, notre AVS se porte encore bien. Ceci grâce à la bonne santé de notre économie. Mais aussi grâce au fait que nous pouvons recruter à l’étranger la main d’œuvre qui nous manque. On se plaint souvent qu’il y ait trop d’étrangers en Suisse. On craint que la Suisse perde son identité. Je suis convaincu que cela ne sera pas le cas. Mais il faut prendre au sérieux ces avis critiques. Réagir à la peur ou à la mauvaise humeur par l’indifférence n’est pas la bonne solution. Celui qui a peur, c’est celui qui n’est pas sûr d’être assez fort ou que nous soyons assez forts pour nous affirmer.
Eh bien oui, nous sommes assez forts pour afficher bien haut notre pays et nos valeurs, même lorsque des personnes venues d’autres pays et de culture étrangère viennent chez nous.
Vous les jodleurs et les jodleuses, vous allez certainement me donner raison sur ce point. Celui qui tient à ses racines et à ses convictions n’a pas à craindre de devoir les trahir.
Peut-être bien que les jodleurs suisses allemands venus en Suisse romande il y a près d’un siècle ont tout d’abord été en butte aux moqueries. Mais ils ont finalement été acceptés. Ils avaient trouvé une nouvelle patrie en Suisse romande et ce sont eux qui se sont battus pour défendre les cantons romands à l’intérieur de l’Association suisse. Voilà ce que j’appelle intégration par excellence.
Sehr geehrte Damen und Herren
Pflegen Sie ihr Brauchtum weiter, freuen Sie sich an jedem Jodel und seien sie selbstsichere Jodlerinnen und Jodler. Halten Sie diese Schweizer Werte hoch:
Ihrem Gesang kann sich sowieso niemand entziehen, weil er die Herzen berührt. Die Herzen, nicht nur der Schweizerinnen und Schweizer sondern auch aller anderen, die hier leben. Ich bin zuversichtlich, dass damit diese Werte auch in der globalisierten Gesellschaft ihren festen Platz haben.
Ich wünsche Ihnen allen ein schönes Jodlerfest!