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Grosseinsatz gegen fungizidresistente Pilze

Changins, 12.02.2013 - In der Medizin, wie auch in der Landwirtschaft wird das Problem der fungizidresistenten pathogenen Pilze immer bedenklicher. Da in der Medizin nur wenige Aktivsubstanzen zur Pilzbekämpfung zur Verfügung stehen, müssen neue Substanzen gefunden werden um das Problem der Resistenzen zu lösen. Mit dem Ziel eine neue Generation natürlicher Fungizide zu finden, hat Agroscope ein innovatives Forschungsprogramm angeregt, bei dem drei Institute der Genferseeregion (Agroscope, IMUL, UNIGE/EPGL) zusammenarbeiten. Dank der Resultate dieser neu gewonnenen Synergien sollen als Endziel neue, effiziente Therapien entwickelt werden, welche die aktuellen Resistenzprobleme, und vor allem den grossen Mangel an fungiziden Substanzen lösen.

Die Pilze leisten Wiederstand

Für den Kohlenstoffzyklus (Kompost) sowie auch als Antibiotika-Produzenten und vielen weiteren hilfreichen Substanzen spielen die Pilze eine zentrale Rolle für Mensch und Umwelt. Sie sind aber auch für eine grosse Anzahl von mehr oder weniger ernsten Krankheiten verantwortlich. In der Landwirtschaft befallen und beinträchtigen sie die Pflanzen und damit auch den Ertrag, was eine verminderte Qualität der Lebensmittel zur Folge haben kann. Eine präventive, oft teure Bekämpfung der Pilze ist nötig. In der Medizin sind Pilze oft die Ursache für schwere Krankheiten bei Menschen sowie Haus-und Wildtieren. Hier einige Beispiele: die von der Pilzgattung Aspergillus verursachten bronchopulmonalen Aspergillosen, die Kandidosen (Candida albicans) und die Kryptokokkosen (Cryptococcus spp.), um nur wenige zu nennen. In den letzten Jahren haben die Pilzinfekte ständig zugenommen. Verantwortlich dafür sind unter anderem die steigende Zahl der immun supprimierten Patienten. Gründe dafür sind: Chemotherapien, Medikamente zur Verhinderung der Abstossung nach Transplantationen, Immun System Krankheiten (AIDS) aber auch die demographische Alterung spielt eine Rolle. In den letzten Jahrzehnten wurden im Westen über eine Million Kryptokokken-Erkrankungen erfasst, in mehr als 630‘000 Fällen mit Todesfolge.

In der Landwirtschat sowie in der Medizin beruht die Bekämpfung der Pilzkrankheiten hauptsächlich auf Fungizid Behandlungen. Im Gegensatz zu Landwirtschaft wo viele verschiedene Aktivsubstanzen in den diversen Kulturen zum Einsatz kommen, stehen der Medizin nur sehr wenige Substanzen zu Verfügung. Auf jeden Fall in beiden Bereichen führt ein wiederholter Einsatz der gleichen Aktivsubstanz dazu, dass sich die Pilze anpassen, resistent werden und somit nicht mehr auf die Produkte ansprechen. In der Humanmedizin stellt dies ein noch gravierenderes Problem dar, da nur wenige Alternativen bei den bereitstehenden Substanzen bestehen. Es besteht kein Zweifel, dass in den kommenden Jahren neue Resistenzen auftreten werden. Daher ist es von grösster Bedeutung, schon heute neue, effiziente Substanzen gegen Pilzinfektionen zu finden.

Die Wissenschaftler an vorderster Front

In diesem Zusammenhang wurde mit der finanziellen Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) ein Projekt lanciert, das drei Institute der Genferseeregion komplementär vereint: die Gruppe Mykologie von Agroscope in Changins (Dr. K. Gindro), das Institut de Microbiologie des Kantonsspitals Lausanne (IMUL, Prof. D. Sanglard) und das Laboratoire de phytochimie et pharmacognosie der Universität Genf (Prof. J.-L. Wolfender und Dr. E. Queiroz). Dieses fachübergreifende Projekt hat den Auftrag, neue, natürliche (vorwiegend pflanzliche) pilzhemmende und tötende  Substanzen zu bestimmen, welche eine spezifische und/oder breite Wirkung gegen pathogene Pilze  haben. Die Moleküle werden aufgrund der Vielfalt ihres chemischen Grundgerüstes ausgewählt, denn das Ziel ist es, Substanzen zu finden, deren Wirkmechanismus sich von den bestehenden Medikamenten möglichst stark unterscheidet. So können zukünftig die Resistenzprobleme umgangen und neue Präparate für den humanmedizinischen Bereich gefunden werden.

Agroscope besteht aus den Forschungsanstalten Agroscope Changins-Wädenswil ACW, Agroscope Liebefeld-Posieux ALP-Haras und Agroscope Reckenholz-Tänikon ART und ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Agrarforschung. Die drei bisherigen Forschungsanstalten werden ab 2013 organisatorisch zu einer einheitlichen Forschungsanstalt Agroscope unter der Leitung von Michael Gysi zusammengeführt. Die Forschungstätigkeiten werden weiterhin an den verschiedenen Standorten durchgeführt.

Herausgeber:

AGROSCOPE
Internet: http://www.agroscope.admin.ch/index.html?lang=de
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