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Höhere Wachstumsprognose für 2010 – eingetrübte Exportaussichten belasten den Ausblick für 2011

Bern, 16.09.2010 - Konjunkturtendenzen und Prognosen der Expertengruppe - Konjunkturprognosen des Bundes – Herbst 2010*. Infolge der bis Mitte Jahr über Erwarten lebhaften Konjunkturerholung in der Schweiz erhöht die Expertengruppe des Bundes die Wachstumsprognose für 2010 deutlich auf 2,7% (bisher 1,8%). Weniger positiv als die jüngste Vergangenheit präsentieren sich indes die Aussichten für 2011, weil von den verhaltenen weltwirtschaftlichen Perspektiven sowie der hohen Bewertung des Frankens spürbare Bremseffekte auf das Schweizer Exportwachstum ausgehen dürften. Nach Einschätzung der Expertengruppe wird die konjunkturelle Erholung in der Schweiz 2011 zwar nicht zum Erliegen kommen, mit einem prognostizierten BIP-Wachstum von 1,2% aber deutlich langsamer als 2010 verlaufen.

Internationale Konjunktur
Nachdem sich die Weltwirtschaft seit Mitte 2009 in einer ersten Phase, unter dem Einfluss einer äusserst expansiven Geld und Fiskalpolitik, relativ rasch und kräftig von der globalen Finanzkrise erholen konnte, zeichnet sich in den letzten Monaten eine langsamere Gangart ab. Die Abkühlung dürfte in den nächsten Quartalen in vielen Ländern noch stärker zu Tage treten. Generell bestätigt sich die Einschätzung immer mehr, dass einem „normalen“ Aufschwung der Weltkonjunktur die Nachwirkungen der Finanzkrise entgegenstehen. Die erste Phase der wirtschaftlichen Erholung beruhte massgeblich auf den Impulsen einer extrem expansiven Geld- und Fiskalpolitik, die jedoch nicht unbegrenzt weitergeführt werden können. Die private Konsum- und Investitionsnachfrage wird in vielen Ländern durch den Schuldenabbau (Deleveraging) der privaten Haushalte sowie der (Finanz)Unternehmen gebremst.

Dies gilt namentlich in den USA, wo sich in den letzten Monaten viele Indikatoren verschlechtert haben und der Arbeitsmarkt in schwacher Verfassung ist. Zwar erscheint ein kurzfristiger Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession (Double Dip) als eher unwahrscheinlich, die wirtschaftliche Erholung dürfte jedoch bis 2011 nur schleppend Fahrt aufnehmen. Insbesondere der private Konsum wird seine fast schon gewohnte Rolle als Konjunkturlokomotive dieses Mal kaum spielen können, weil die privaten Haushalte nach der exzessiven Verschuldung der vorangegangenen Boomjahre vermehrt Schulden abbauen und sparen müssen. Auch in Japan sowie in den wachstumsstarken Schwellenländern Asiens zeigen sich immer mehr Anzeichen einer nachlassenden Dynamik.

Entgegen dem internationalen Trend verlief die jüngste konjunkturelle Entwicklung im Euroraum eher günstiger als erwartet. So konnte sich die anfänglich sehr schleppende Erholung im 2. Quartal festigen, und die Verunsicherung um die Schuldenkrise einzelner Mitgliedsländer scheint bislang nicht zu einem Stimmungseinbruch bei den Unternehmen geführt zu haben. Vor allem in Deutschland hat sich die Aufwärtsdynamik stark beschleunigt; nachdem Deutschland besonders stark unter dem Einbruch des Welthandels Ende 2008 gelitten hatte, verlief nunmehr spiegelbildlich auch die Erholung der Exporte sehr ausgeprägt. Trotz der jüngsten positiven Tendenzen bleiben indes auch die europäischen Konjunkturaussichten vor dem Hintergrund einer stotternden Weltwirtschaft relativ verhalten. Bei einer wenig schwungvollen weiteren Erholung im Euroraum insgesamt ist mit erhöhten Wachstumsdivergenzen zwischen den Ländern zu rechnen: während exportstarke Volkswirtschaften wie Deutschland auch dank des tieferen Eurokurses überproportional wachsen dürften, sind die Aussichten für die Peripherieländer sehr verhalten, für Griechenland sogar rezessiv. 

Konjunkturprognose Schweiz
In der Schweiz hat sich die konjunkturelle Erholung im bisherigen Jahresverlauf mit kräftigen BIP-Zuwächsen in den ersten beiden Quartalen in hohem Tempo fortgesetzt. Im Gegensatz zu den meisten OECD-Ländern hat die Schweiz damit den rezessionsbedingten Rückgang der Wirtschaftsleistung Mitte 2010 wieder aufgeholt. Gleichwohl sind erste konjunkturelle Eintrübungstendenzen auszumachen, die nicht unerwartet vor allem die Exportwirtschaft betreffen. So haben sich die Warenausfuhren im 2. Quartal deutlich weniger schwungvoll als in den vorangegangenen Quartalen entwickelt, und die Geschäftserwartungen in der Industrie (insbesondere bei den stark exportorientierten Firmen) haben sich über den Sommer erstmals wieder leicht verschlechtert. Demgegenüber zeigen viele Konjunkturindikatoren für die Binnenwirtschaft (wie z.B. die Konsumentenstimmung) nach wie vor ein positives Bild.

Für die zweite Jahreshälfte rechnet die Expertengruppe daher nicht mit einer abrupten konjunkturellen Verschlechterung, sondern mit einer allmählichen Verlangsamung des hohen Wachstums. Damit zeichnet sich ab, dass das Gesamtjahr 2010 wachstumsmässig deutlich stärker ausfallen dürfte als bislang erwartet. Entsprechend wird die BIP-Wachstumsprognose für 2010 deutlich auf 2,7% erhöht (bisher 1,8%). Die Revision nach oben ist aber hauptsächlich auf die vergangene Entwicklung – die bis Mitte Jahr überaus lebhafte Konjunkturerholung – zurückzuführen. Weniger positiv als der Rückblick werden dagegen die Aussichten für das kommende Jahr beurteilt. Die Expertengruppe rechnet mit einer deutlichen Abkühlung des BIP-Wachstums auf 1,2% 2011 (bisher 1,6%).

Vor allem der Exportmotor dürfte im Vergleich zu 2010 stark an Fahrt verlieren; die Expertengruppe erwartet für die Ausfuhren von Gütern und Dienstleistungen für 2011 nur noch eine bescheidene Zunahme um 2,2% (nach 7,0% 2010). Neben den relativ verhaltenen Konjunkturimpulsen aus Europa und den USA ist dabei mit deutlichen wechselkursbedingten Bremseffekten zu rechnen. In den vergangenen Monaten hat der Franken vor allem zum Euro, daneben aber auch zahlreichen anderen Währungen wie z.B. US-Dollar weiter an Wert gewonnen. Der handelsgewichtete, reale Wechselkursindex des Frankens (inflationsbereinigt gegenüber 40 Handelspartnern) efindet sich auf dem höchsten Stand seit Mitte der neunziger Jahre. Eine Aufwertung in diesem Ausmass wird nach Einschätzung der Expertengruppe spürbare Wachstumseinbussen beim Export nach sich ziehen.

Die Inlandnachfrage wird die schwächeren Impulse vom Export nicht kompensieren können. Zwar haben die Bauwirtschaft und die konsumnahen Bereiche in den letzten Jahren eine überaus positive Entwicklung verzeichnet und die Konjunktur auch während der Rezession erheblich gestützt, eine weitere Beschleunigung erscheint indes unwahrscheinlich. Vor allem die Bauinvestitionen dürften ihr derzeit hohes Expansionstempo im kommenden Jahr angesichts vermehrter Kapazitätsengpässe kaum mehr beibehalten können.

Die wirtschaftliche Erholung hat seit Anfang 2010 auch den Arbeitsmarkt erfasst. Die Beschäftigung nimmt wieder zu, und die Arbeitslosenquote ist seit Jahresbeginn leicht gesunken (saisonbereinigt von 4,1% Anfang Jahr auf 3,8% Ende August). Der weitere Rückgang der Arbeitslosigkeit dürfte indes nur langsam vorankommen. Zum einen ist davon auszugehen, dass die prognostizierte konjunkturelle Verlangsamung mit Verzögerung im Verlauf von 2011 auch die Arbeitsmarkterholung etwas bremsen wird. Zum andern dürften viele Firmen das steigende Arbeitsvolumen für eine gewisse Zeit noch durch die bereits vorhandenen Belegschaften abdecken, etwa durch die Rückführung der Kurzarbeit, ehe in grösserem Umfang Neueinstellungen vorgenommen werden. Für die Arbeitslosenquote werden Jahresdurchschnittswerte von 3,9% 2010 und 3,7% 2011 erwartet.

Konjunkturrisiken
Die Risiken für die internationale Konjunkturentwicklung bleiben gross. Nach Einschätzung der Expertengruppe ist die Weltwirtschaft zurzeit noch weit davon entfernt, auf einen nachhaltig stabilen Wachstumspfad zurückzukehren. Weil in vielen Ländern noch das Fundament für einen breit abgestützten, durch den privaten Sektor getragenen Aufschwung fehlt, steht die Wirtschaftspolitik vor dem Problem, das richtige Timing für die Rücknahme des Expansionsgrads zu finden. Während eine zügige Normalisierung (sprich höhere Zinsen und Konsolidierung der Staatsfinanzen) mit erhöhten Risiken für die fragile Konjunktur verbunden sein kann, birgt eine anhaltende Tiefzinspolitik potenzielle Gefahren für neuerliche Übertreibungen an den Finanzmärkten. Die Schuldenkrise im Euroraum ist durch die Hilfsprogramme des IWF und der EU bestenfalls vorerst eingedämmt, wesentliche langfristige Probleme (z.B. nachhaltige Konsolidierung der Staatsfinanzen, strukturelle Wachstumsdivergenzen zwischen Kern- und Peripherieländern) sind jedoch noch keineswegs gelöst. Für die Schweiz stellt darüber hinaus die weitere Wechselkursentwicklung einen grossen Unsicherheitsfaktor dar, wobei sowohl ein fortgesetzter Aufwertungsdruck als auch – im Fall einer Beruhigung der Schuldenkrise im Euroraum – ein Nachlassen der Frankenstärke denkbar sind. Eine glaubwürdige Sanierung der Staatshaushalte im Euroraum könnte das Vertrauen des Privatsektors und der Finanzmärkte in eine solche Politik erhöhen und so mittelfristig zu mehr Konsum und Investitionen in den betroffenen Ländern führen (positives Risiko).

* Die Expertengruppe des Bundes publiziert viermal pro Jahr eine Prognose der konjunkturellen Entwicklung in der Schweiz. Die aktuelle Prognose von September 2010 wird in dieser Medienmitteilung kommentiert. Die "Konjunkturtendenzen", eine vierteljährliche Publikation des SECO, erscheinen in gedruckter Form als Beilage der Februar-, April-, Juli-, und Oktobernummern der Zeitschrift "Die Volkswirtschaft" (www.dievolkswirtschaft.ch). Sie sind auch im Internet (http://www.seco.admin.ch/themen/00374/00375/00381/index.html?lang=de) als pdf-Datei abrufbar.

Adresse für Rückfragen:

Aymo Brunetti, SECO, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik,
Tel. +41 (0)31 322 21 40
Bruno Parnisari, SECO, Leiter des Ressorts Konjunktur, Direktion für Wirtschaftspolitik,
Tel. +41 (0)31 323 16 81

Herausgeber:

Staatssekretariat für Wirtschaft
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