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MedienmitteilungVeröffentlicht am 8. Mai 2025

«Emission Explorer» – ein neues Exponat im Verkehrshaus: Empa-Forschung zeigt den individuellen CO₂-Fussabdruck

St. Gallen / Luzern, 08.05.2025 — Netto-Null: Das Ziel, das unsere Gesellschaft auf allen Ebenen bewegt. Aber was kann man als Einzelperson dazu beitragen? Antworten liefert der «Emission Explorer», das neue Exponat, das die Empa innerhalb von «Energy Science for Tomorrow» (ES4T), einer gemeinsamen Initiative des ETH-Bereichs mit dem Verkehrshaus der Schweiz, entwickelt hat. Spielerisch berechnen Besuchende dort ihre CO2-Emissionen und finden heraus, in welchen Lebensbereichen sie persönlich einen konkreten Beitrag zu einer nachhaltigeren Gesellschaft leisten können.

Emission Explorer

Betritt man die «Experience Energy!»-Ausstellung im Verkehrshaus, fällt der Blick als Erstes auf den grossen Globus, der von der Decke hängt. Er zeigt auf eindrückliche Art und Weise, wie die Menschheit weltweit Energie konsumiert, Treibhausgase ausstösst und dadurch die Erde erhitzt. Die Hauptbotschaft der Ausstellung wird schnell klar: Um unsere Lebensgrundlagen zu bewahren, müssen wir unsere Energieversorgung möglichst rasch so umbauen, dass wir nur noch erneuerbare Energieträger sorgfältig nutzen.

Wenige Schritte vom Globus entfernt hantieren Kinder und Erwachsene an farbigen Handpumpen herum. Auf dem grossen Screen vor ihnen bläst sich ein Luftballon auf. Das ist der «Emission Explorer», das neueste Exponat im Verkehrshaus, das sich seit seiner Installation Ende 2024 grosser Beliebtheit erfreut. «Bei der Entwicklung des «Emission Explorer» war es unser Anliegen, Inhalt und Ausführung fürs Publikum möglichst greifbar zu machen. Unser Publikum trifft im Verkehrshaus auf ein vielfältiges und hochstehendes Angebot. Umso wichtiger ist es, dass wir auch attraktive Exponate zu den Themen Energiewende und Nachhaltigkeit haben», sagt Alexander Manuzzi, Teamleiter Bildung und Vermittlung und Hauptverantwortlicher für den «Emission Explorer» am Verkehrshaus.

Ein Luftballon pro Minute

Was auf den ersten Blick witzig und unterhaltsam wirkt, hat einen ernsten Hintergrund: Am «Emission Explorer» berechnet man, wieviel CO2 der eigene Lebensstil verursacht. Fünf einfache Fragen zu den Themen Wohnen, Ernährung, Konsumverhalten, Alltagsmobilität und Flugverhalten mit jeweils fünf Antwortmöglichkeiten reichen aus, um Aufschluss darüber zu erhalten, wie gross der eigene CO2-Fussabdruck ist, wie man im Vergleich zum Rest der Schweiz und Rest der Welt steht und in welchen Lebensbereichen die grössten Hebel liegen, um die persönlichen Emissionen zu senken.

«Der Ballon steht symbolisch für die eigenen Treibhausgasemissionen», so Manuzzi. «Im Durchschnitt emittiert jede Schweizerin und jeder Schweizer pro Minute so viel CO2, wie in einem grösseren Luftballon Platz hat. Durch das Beantworten der Fragen am «Emission Explorer» bläst man den eigenen CO2-Ballon auf. Nach der letzten Frage platzt der Ballon und es strömt einem Luft entgegen. So werden die eigenen Emissionen nicht nur sicht- sondern auch spürbar.»

Ballon

Das «System» sind wir

Ein weiteres zentrales Anliegen des «Emission Explorer» ist es, nicht nur den persönlichen CO2-Ausstoss greifbar zu machen, sondern auch den sogenannten «Systemanteil» der Treibhausgasemissionen. Denn neben den individuellen Emissionen in den fünf Lebensbereichen entstehen in der Schweiz grosse Mengen an CO2, die ausserhalb unserer direkten individuellen Kontrolle liegen. Dieses «System», zu dem beispielweise Industrie und Infrastruktur gehören, verursacht rund 46 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Pro Person sind das jährlich rund 5.4 Tonnen.

«Wir müssen auf allen Ebenen der Gesellschaft ansetzen, um die Energiewende zu meistern. Je schneller wir unser gesamtes Energiesystem von Öl und Gas entkoppeln, desto eher schrumpfen auch die individuellen Fussabdrücke. Das bedingt natürlich Kooperation und koordiniertes Vorgehen von ganz vielen Menschen», sagt Empa-Forscher Marcel Gauch, der die Entwicklung des Exponats gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Gasser begleitet und die wissenschaftlichen Grundlagen dafür erarbeitet hat. «Als einzelne Person kann man hier am ehesten Einfluss nehmen, indem man zum Beispiel regelmässig zu Energie- und Klimafragen abstimmen geht oder sich für Umweltthemen einsetzt. Gleichzeitig kann man sofort und unmittelbar seinen eigenen CO2-Ausstoss verkleinern, indem man in den fünf Lebensbereichen des Emission Explorers CO2-arme Aktivitäten und Verhaltensweisen vorzieht. Im Kontext der Klimakrise zählt jedes vermiedene Kilogramm CO2

Die Wissenschaft im Museum

Der «Emission Explorer» entstammt einer vom ETH-Rat finanzierten gemeinsamen Initiative namens «Energy Science for Tomorrow» (ES4T) (vgl. Infobox). Das wissenschaftliche Fundament des Exponats bildet «MatCH» – eine umfangreiche Analyse der Schweizer Volkswirtschaft, die die Empa im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) 2016 umgesetzt hat. Die Forschenden des Empa-Labors «Technology and Society», Marcel Gauch, Cecilia Matasci und Heinz Böni, analysierten sämtliche Material- und Energieströme der Schweiz und konnten so präzise bestimmen, in welchen wirtschaftlichen Sektoren und Lebensbereichen Treibhausgasemissionen entstehen. In einer wissenschaftlichen Folgepublikation zeigten sie auf, in welchem Ausmass die verschiedenen Emissionsquellen der Schweiz unter direkter oder indirekter Kontrolle eines Individuums liegen.

Diese komplexen Daten wurden in zusammengefasster und vereinfachter Form für das Exponat aufbereitet. «Die Arbeit an MatCH war sehr intensiv und umfassend. Seit der Publikation werden die Berichte in unterschiedlichen Kontexten zitiert, von Bundesverwaltung, über Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft», so Gauch. Nun erreicht diese Forschungsarbeit ein noch breiteres Publikum. Seit der Eröffnung Ende 2024 hat der «Emission Explorer» bereits mehr als 10'000 Interaktionen registriert. «Wir hoffen, dass dieses interaktive Exponat auch in den kommenden drei Jahren so begeistert genutzt wird und viele Menschen dazu inspiriert, ihren Weg zu einem nachhaltigeren Lebensstil zu finden», so Gauch. So lange wird der «Emission Explorer» noch im Verkehrshaus stehen.

«Energy Science for Tomorrow» (ES4T)

Der «Emission Explorer» ist ein Resultat der vom ETH-Rat finanzierten gemeinsamen Initiative «Energy Science for Tomorrow» (ES4T). Gemeinsam treten die ETH Zürich, die EPFL, das PSI, die Empa und das Verkehrshaus der Schweiz mit der Schweizer Bevölkerung in einen Dialog, um Wege in eine nachhaltige Energiezukunft mit dem Ziel Netto Null aufzuzeigen und zu thematisieren. Mit Einbezug des Publikums im Verkehrshaus werden bis Ende 2026 weitere Exponate, Veranstaltungen, sowie regelmässige Workshops zu Energie- und Nachhaltigkeitsthemen erarbeitet. Mehr Informationen unter: www.energysciencefortomorrow.ch/emission-explorer

«Emission Explorer» online

Hier geht es zum online-Prototyp des «Emission Explorer», mit dem man den eigenen CO2-Fussabdruck spielend berechnen kann.

Links

Literatur

C Matasci, M Gauch, H Böni, P Wäger; The Influence of Consumer Behavior on Climate Change: The Case of Switzerland; Sustainability (2021); doi.org/10.3390/su13052966

Informationen

Marcel Gauch
Technology & Society
Tel. +41 58 765 78 54
marcel.gauch@empa.ch