Zum Hauptinhalt springen

MedienmitteilungVeröffentlicht am 28. Oktober 2025

Schlichtungsverfahren im Miet- und Pachtrecht: Zahl der Neueingänge gestiegen

Bern, 28.10.2025 — In der Schweiz sind im ersten Halbjahr 2025 17'758 neue Schlichtungsverfahren in miet- und pachtrechtlichen Streitigkeiten eingeleitet worden. Dies entspricht einem Anstieg um 684 Verfahren gegenüber dem zweiten Halbjahr 2024. Am häufigsten erledigt wurden Verfahren wegen Mietzinserhöhungen. Der Anteil der Erledigungen aufgrund von Mietzinssenkungen ist im Vergleich zum Vorsemester gestiegen.

Zwischen Januar und Juni 2025 nahm die Zahl der eingeleiteten Verfahren in miet- und pachtrechtlichen Angelegenheiten um 4,0 Prozent zu. Zuvor war in der zweiten Jahreshälfte 2024 ein Rückgang um 32,7 Prozent beobachtet worden. Entgegen dem gesamtschweizerischen Trend wurde jedoch in der ersten Jahreshälfte 2025 in mehreren Kantonen (AI, GE, GR, VD und ZG) ein teilweise deutlicher Rückgang der Streitfälle registriert.
Unter Berücksichtigung der Pendenzen aus dem vorangegangenen Semester und den Neueingängen hatten die Schlichtungsbehörden im ersten Halbjahr 2025 schweizweit 28'354 Verfahren zu behandeln. Davon wurden in der Berichtsperiode 18'349 Verfahren erledigt. Ende Juni 2025 blieben somit 10'005 Pendenzen. Das stellt im Vergleich zum Jahresende 2024 einen Rückgang um 641 Fälle dar.

Bei 59 Prozent oder 10'825 der erledigten Verfahren wurde eine Einigung zwischen den Parteien durch Vergleich, Klageanerkennung oder vorbehaltlosen Klagerückzug erzielt. In 2'478 Fällen (13,5 Prozent) konnten sich die Parteien nicht einigen. Dies führte zur Erteilung einer Klagebewilligung. 3'999 Fälle (21,8 Prozent) wurden durch Rückzug, Nichteintreten, Gegenstandslosigkeit oder Überweisung an ein Schiedsgericht erledigt. In 526 Fällen wurde anstelle eines Schlichtungsverfahrens ein Mediationsverfahren mit einer unabhängigen Vermittlungsperson durchgeführt. Diese Verfahren wurden aus den Kantonen Freiburg und Thurgau gemeldet.

Bei vermögensrechtlichen Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von 2'000 Franken wurden 67 Entscheide gefällt (0,4 Prozent der erledigten Verfahren). Von den erledigten Verfahren wurden 654 (3,6 Prozent) mit einem Entscheidvorschlag abgeschlossen, den die Parteien angenommen haben. In 326 Fällen (1,8 Prozent) lehnten die Parteien den Entscheidvorschlag ab, sodass eine Klagebewilligung erteilt wurde.

Hauptgründe der erledigten Schlichtungsverfahren

Mit 16,2 Prozent bzw. 2'964 Fällen machten Anfechtungen aufgrund von Mietzinserhöhungen den grössten Anteil an den erledigten Verfahren aus. Seit der zweiten Jahreshälfte 2023 ist dies die beobachtete Tendenz, wobei der Anteil nach der ersten Jahreshälfte 2024 kontinuierlich zurückging – von mehr als einem Drittel auf weniger als ein Sechstel der Erledigungen. In den Kantonen Basel-Landschaft, Freiburg, Genf und Waadt waren Mietzinserhöhungen am häufigsten Anlass für eine Verfahrenserledigung. Die schweizweite Einigungsquote bei diesen Verfahren lag bei 83,3 Prozent. Der Anteil der übrigen miet- und pachtrechtlichen Gründe für die Verfahrenserledigungen ist im Vergleich zum Vorsemester schweizweit gestiegen. Mit 2'573 Verfahren (14 Prozent) bildeten ordentliche Vertragskündigungen den zweithäufigsten, mit 2'063 Verfahren (11,2 Prozent) die Forderung auf Zahlung den dritthäufigsten Erledigungsgrund. Bei Verfahren wegen Mietzinssenkungen konnte ein signifikanter Anstieg von 1,75 auf 4,23 Prozent der Erledigungen beobachtet werden. Eine mögliche Ursache dafür ist die Senkung des hypothekarischen Referenzzinssatzes, die seit dem 4. März 2025 in Kraft ist.

Rolle der Schlichtungsbehörden

Bei zivilrechtlichen Streitigkeiten wird vor dem richterlichen Entscheidungsverfahren ein Schlichtungsversuch durch eine Schlichtungsbehörde durchgeführt. Bei Streitigkeiten im Bereich Miete und Pacht von Wohn- und Geschäftsräumen besteht die Schlichtungsbehörde aus einer unabhängigen vorsitzenden Person sowie einer paritätischen Vertretung von Mietern und Vermietern. Das Verfahren folgt der schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO).

Weitere Informationen

Statistik der Schlichtungsverfahren